Mikrofon einpfeifen – Rückkopplung des Mikrofon vermeiden

Der eine kennt es von Veranstaltungen die er besucht hat, der nächste kämpft selbst als DJ oder kleiner Tontechniker mit dem Problem(chen) wenn es in der Anlage plötzlich pfeift und quietscht. Aussenstehende meckern schnell rum, dass der DJ bzw. Tontechniker zu blöd ist. Naja, ganz so einfach ist das alles nicht. Wenn man sich etwas mit der Materie beschäftigt und Zusammenhänge verstehen lernt, ist es aber auch kein Hexenwerk.

Es gibt unzählige ausgezeichneter Gesangsmikrofone. Jedoch kennen die meisten Künstler nur ihr Mikrofon und eine kleine Hand voll weiterer Modelle. Dazu gehört das Shure SM58 bzw. Beta58 und das Sennheiser e835 bzw e945. Wenn man jeweils eins davon im Gepäck hat, macht man sich bei Künstlern sehr beliebt, falls eines ihrer Mikrofone einem Sturz oder anderem Missgeschick zum Opfer fällt.

Ich möchte auch hier vorweg festhalten, dass ich kein Voll-Toni bin! Mit der folgenden Technik kann ich aber gut arbeiten und habe gute Erfolge zu verzeichnen. Da ich mit der Instrumentenabnahme nahezu keine Erfahrungen habe, werde ich in den folgenden Abschnitten nur auf die Sprachabnahme eingehen.

Die Vermeidung von Rückkopplungen ist nur durch ein Zusammenspiel aller beschriebenen Lösungsansätze möglich. Ich setze voraus, dass Grundkenntnisse über ein Mischpult und den EQ vorhanden sind. des Weiteren setze ich ein paar Erfahrungen bei Veranstaltungen mit Publikum voraus. Dieser Beitrag ist somit für völlige Neulinge in der Veranstaltungstechnik ungeeignet.

Es gibt einige Aspekte die zu beachten sind um das böse Pfeifen zu unterbinden.

  • Wie entsteht die Rückkopplung
  • Positionierung Lautsprecher / Mikrofon
  • Das Monitoring
  • Das Mikrofon
  • Der EQ
  • Der Moderator / Sänger

Wie entsteht eigentlich dieses störende Pfeifen?

Dieses Pfeifen bzw. Feedback, wie es eigentlich heißt, entsteht wenn eine (oder mehrere) Frequenzen, die aus den Lautsprechern kommen, wieder mit einer gewissen Pegelstärke vom Mikrofon aufgenommen werden. Diese werden dann über das Mischpult und den Verstärker verstärkt und kommen dann noch lauter aus den Lautsprechern. Diese werden dann wieder vom Mikrofon aufgenommen und so weiter. Dies ist dann ein nicht endender akustischer Teufelskreis. Man könnte ihn daher mit AT abkürzen. Vielleicht mache ich das später nochmal…

Ganz konkret bilden Frequenzen, die von der Anlage und vom Mikrofon besonders effektiv verarbeitet werden eine sogenannte Resonanzfrequenz. Diese Resonanzfrequenzen können sehr viele Ursachen haben. In erster Linie zählen dazu Mikrofone und Anlagen, die eben bei bestimmten Frequenzen besonders gut harmonieren. Auch bauliche Gegebenheiten können bestimmte Frequenzen besonders effektiv reflektieren und wieder zum Mikrofon zurück schicken. Wenn diese Frequenzen vom Mikrofon besonders gut aufgenommen werden und einen gewissen Pegel überschreiten schließt sich eben dieser akustische Teufelskreis. Es gibt hier einige Möglichkeiten diesen AT zu durchbrechen.

Die Lautsprecherposition

Weit weg vom Mikrofon wäre schön – geht aber nicht immer so einfach zu realisieren. Im Regelfall wird ein DJ auf der Bühne nur selten Probleme mit dem Feedback haben. Warum? Er steht hinter der Lautsprecherfrontlinie. Vorteilhaft ist demzufolge, wenn das Mikrofon nicht direkt Richtung der Lautsprecheröffnung zeigt. Bei größeren Veranstaltungen können die Lautsprecher weiter voneinander positioniert werden Somit ist die Distanz von Mikrofon und Lautsprechern ebenfalls größer. Dies gilt auch eine Kopplung zu vermeiden.
Basslautsprecher, die auf dem Boden stehen und Mittel-/Hochtöner über der Kopfhöhe erhöhen ebenfalls die Chance, dass das Mikrofon nicht so leichtfertig in die Schallöffnung gehalten wird.

Das Monitoring

Wenn eine großzügige Bühne haben und hinter der Frontlinie der Lautsprecher stehen, haben wir aber eine neue Möglichkeit uns das Leben schwer zu machen indem wir auf der Bühne Monitorlautsprecher platzieren. Gerade DJ’s machen das sehr gern, da der Mix der Haupt-PA auf der Bühne unvollständig zu hören ist. Wenn wir nun diesen Monitor kräftig aufgedreht haben und das Mikro aktivieren kommt es fast unweigerlich zu einer Rückkopplung. Bei vielen DJ-Mixern, wie dem Pioneer DJM, kann man einen Schalten betätigen um das DJ-Mikro vom Booth-Ausgang zu sperren. Das heißt, die Musik kommt aus dem Monitor raus, das Signal des DJ-Mic’s nicht.

Haben wir nun einen Sänger auf der Bühne stehen, will der sich allerdings selbst hören. Glücklicherweise benötigen Sänger keine 100dB(A) auf dem Monitor. Dazu kommt (uns zum Vorteil), dass der Sänger seinen Monitorlautsprecher gewöhnlicherweise vor sich stationiert haben möchte und somit die Arbeitsrichtungen des Gesangsmikrofons und des Monitor selten entgegengesetzt positioniert sind. Aber in ungünstigen Konstellationen, reflektiert die Rückwand der Bühne den Schall des Monitor und wirft ihn wieder genau in die Mikrofonöffnung zurück. Besonders bei empfindlichen Kondensatormikrofonen ist hier höchste Alarmstufe angesagt.

Bei Gitarren oder anderen Instrumenten wo die Schallöffnung nach vorn zeigt wird es da schon wieder gefährlicher. Und dann gibt es ja noch die Gitarristen, die ihren eigenen Verstärker mit eingebautem Lautsprecher immer bis zum Anschlag aufdrehen müssen. Da gibts nur eins: Entweder ein Monitor oder einen aufgedrehten Gitarrenverstärker. Es hilf manchmal auch schon, wenn der Saitenkünstler seinen Gehörschutz rausnimmt. Den benötigt er eigentlich auch nur, weil ihm sein eigener Verstärker zu laut ist.

Die beinahe vollkommene Abhilfe schafft hier ein InEar-Monitoring. Das bedienen die Bands aber meistens komplett selbst bzw. ihr eigener Tontechniker. ….eigentlich perfekt vor jeden Toni.

Mikrofon ist nicht gleich Mikrofon

Wie ich bereits angedeutet habe, gibt es verschieden empfindliche Mikrofone. Diese unterscheiden sich zum einen über die grundsätzliche Art der Schallwandlung, durch ihren Aufnahmebereich und durch unterschiedliche Frequenzgänge.

Kondensatormikrofone benötigen immer eine Stromversorgung, da sie eine eigene Aufbereitung haben bzw. einen integrierten Signalverstärker besitzen. Diese elektrische Energie erhalten sie durch die Phantomspeisung oder eine Batterie im Mikrofon. Diese Mikrofone erkennt man in der Regel daran, dass sie einen Schalter für die Verstärkung und/oder einen Schalter für einen Hochpassfilter besitzen. Dynamische Mikrofone sind auf die Entfernung ein wenig unempfindlicher und somit ein wenig unempfindlicher auf Rückkopplungen. Die Standart-Handmikrofone sind meist dynamische Mikrofone wie das weitläufig bekannte SM58 von Shure oder das ebenso verbreitete e925 bzw. e945 von Sennheiser. Es macht übrigens Sinn, sich eines dieser Mikrofone mit in den Koffer zu legen. einen Doppelsatz Kondensatormikrofone inkl. einer T-Bar im Köfferchen sind ebenfalls kein Fehler. Zum einen kann man sich ein wenig mit den Charakteristiken vertraut machen und man erntet Absolute Pluspunkte bei jeder Band/Sänger, wenn man mal aushelfen kann. Die Kondensatoren auf der T-Bar nehmen wir gern für Podiumsmoderationen.

Unabhängig von der Technik des Schallwandlers, haben Mikrofone unterschiedliche Schallaufnahmecharakteristiken. Sehr kontrollierbar ist hier die sogenannte Superniere oder die Keule. Diese ist in ihrer Aufnahmerichtung am sensibelsten. Allerdings muss der Moderator hier auch wirklich gerade in das Mikrofon sprechen. Ansonsten hört man auf der Anlage nur leises Flüstern und der Mikrofon-Fader muss immer weiter gegen den Endanschlag gepresst werden. Alle unsere Voreinstellungen sind damit wertlos. Die unpeziefichste Charakteristik ist die Achter- oder die Kugelcharakteristik. Hier wird der Schall von fast allen Richtungen gleichmäßig aufgenommen. Somit nimmt das Mikrofon auch den Schall aus allen anderen Richtungen sehr gut auf. Soetwas eignet sich zumindest für Sänger und Moderatoren überhaupt nicht. Befragt mal einer der bekannten Suchmaschinen nach „Mikrofon Charakteristik“. Da findet Ihr gleich noch ein paar schöne grafische Darstellungen zur Richtcharakteristik.

Ein dritter entscheidender Aspekt bei Mikrofonen ist der Frequenzgang. Bei manchen Mikrofonen gibt es Hochpassfilter, welche verschiedene Bassfrequenzen stark beschneiden können. Damit unterbindet man gleich von vornherein Rückkopplungen im Bassbereich. Ausserdem unterbindet man Griffgeräuche. Das muss man einfach mal probieren. Jedes Mikrofon zeichnet sich aber auch durch unterschiedliche Wahrnehmungen im Mitten- und Hochtonbereich aus. Das bedeutet aber auch, dass jedes Mikrofon einen anderen Drang zu Rückkopplungen in den verschiedenen Frequenzbereichen hat.

Kurvenkorrektur – Der EQ

Diese Rückkopplungen treten üblicherweise nur auf bestimmten Frequenzen auf. Um die oben genannten Ursachen der Kopplungen zu vermeiden, können wir mit einem parametrischen EQ gezielt (vor der Veranstaltung) nach gefährlichen Frequenzen suchen und diese eliminieren. Wie macht man das?

Grundsätzlich sollte man hier etwas Gefühl in den Fingern und 2 einigermaßen gesunde Ohren haben. eine erste Maßnahme ist immer den unteren Frequenzbereich mit einem Hochpassfilter zu versehen. Die Filterfrequenz sucht man, indem abhängig von der Stimme des Künstlers den Filter langsam hochdreht um zu prüfen welche Frequenzen überhaupt benötigt werden. Bei männlichen Moderatoren oder Sängernwird man in der Regel ab 120Hz (mit steigender Frequenz) die Trennung festlegen um die Persönlichkeit seiner Stimme nicht zu gefährden. bei femininen Stimmen wird diese Frequenz wahrscheinlich bei über 200Hz liegen.

Nun kommt der parametrischer EQ richtig zum Einsatz. Zur Suche nach den Killerfrequenzen sollte das Mikrofon natürlich an einer für die Moderation/Gesang zu erwartenden Position positioniert werden. Die gewünschte Lautstärke sollte zu bereits eingestellt sein. Ein Mikrofonstativ oder ein Helfer sind hier ebenfalls unverzichtbar. Wir nehmen nun einen freien Frequenzpunkt (vorausgesetzt wir nutzen ein digitales Mischpult), drehen die Güte/Qualität/Glocke auf ca. 50% und bewegen den Punkt gern auf 20dB über der Nulllinie. diesen schieben wir nun (bei aufgedrehtem Mikrofon-Fader) langsam von links nach rechts über das Frequenzband bis eine Frequenz anfängt sich aufzuschwingen. Zur Unterstützung und schnelleren Anregung einer Rückkopplung, kann man parallel ein weißes Rauschen einspielen. Hat man eine schwingende Frequenz gefunden, sollte man den Mikrofon-Fader erstmal etwas zudrehen. Es darf aber weiterhin pfeifen. Nun dreht man die Güte/Qualität/Glocke auf um eine deutlich spitzere Glocke um EQ zu erzeugen. Diese verschiebt man erneut um die Koppelfrequenz noch genauer zu finden. Hat man diese gefunden, schiebt man diesen Punkt im EQ-Diagram auf 6-12dB unter die Nulllinie. Selbiges versucht man noch mit einem zweiten Frequenzpunkt. Wenn sich nichts weiter finden lässt, sollte probiert man nochmal verschiedene mögliche (und unmögliche) Positionen und Richtungen des Mikrofon aus.

Der Faktor Mensch

All unsere Bemühungen nützen uns selbstverständlich nichts, wenn unser Moderator oder Sänger flüstert, am Mikrofon vorbei redet oder es vielleicht sogar wie eine Eistüte vor die Brust hält und wir unweigerlich den Mikrofonregler über den Anschlag drüber hinaus schieben müssen. Erklärt und zeigt dem Sprecher (wenn er unerfahren ist) notfalls wie er das Mikrofon halten soll. Alternativ gibt es kabellose Mikrofon-Headsets. Damit hat ein Sprecher 2 freie Hände und das Mikrofon ist nahezu perfekt positioniert. Finger weg von Lavaliermikrofonen im Knopfloch. Diese sind nicht für Live-Einsatz geeignet und können Euch das Leben zur Hölle machen.
Abhängig von der Stimme des Sprechers kann es dennoch passieren, dass er weitere Frequenzen zum schwingen anregen kann. Dies passiert gern bei Männern mit einer sehr dominanten und tiefen Stimme. Meist sprechen diese Sprecher aber so deutlich, dass man nicht anfangen muss Koppelfrequenz zu suchen. Nein, man kann das Mikrofon einfach etwas leiser machen.

Zu Guter Letzt

Wenn man aufmerksam ist, kann man eine Rückkopplung frühzeitig erkennen. Das hört sich dann meist etwas blechern an. Entweder habt Ihr die Gabe, die Frequenz zu finden und zu eliminieren oder Ihr dreht das Mikrofon rechtzeitig ein wenig leiser.