
Damit alles hübsch klingt und nix rauscht oder quietscht habe ich für mich ein Strategie entwickelt mit der ich wenig Überraschungen erleben sollte.
Ich habe folgende Technik vorausgesetzt:
- DJ-Mixer bzw. DJ-Controller
- Mastermixer mit EQ pro Kanal – am besten ein Digitalmixer wie das Midas MR12 (oder größer), ein Soundcraft UI12 (oder größer) oder mein alter ProMix 01.
- eine PA
- eine zweite Person mit technischem Sachverstand, zwei gesunden Ohren oder ein Tablet zur Fernsteuerung des obengenannten Digitalpult.
Bevor ich irgendeinen Regler aufdrehe, stelle ich sicher, dass das Mischpult ordnungsgemäß an der PA angeschlossen ist und ALLE Linefader entweder gemutet oder genullt sind. Das gleiche gilt auch für den MASTER-Fader!!! Nun schalte ich die PA/Verstärker mit abgedrehten Reglern ein.
Generell gilt:
- Die Clipping-Anzeige der PA sollte sich nicht melden
- die Pegelanzeigen sollten sich nicht ernsthaft über die 0dB(A) bewegen. Alle Tonquellen sollten im besten Fall auf einen Eingangspegel von 0dB(A) geregelt werden. Erfahrungsgemäß läuft das Mikrofon besonders bei der DJ-Moderation ein wenig höher. Daher pegeln wir es dann aber auch so ein, dass es bei +5dB sauber arbeitet.
PA / Verstärker hochfahren
Die Regler der PA/Verstärker drehe nun ich auf maximal 75%. Warum mache ich das? Es gibt noch mehr gute Gründe, aber der einfachste Grund ist, um das Grundrauschen der Vorstufen so gering wie möglich zu halten. Ausserdem vermeide ich, dass die Anlage an der Kotzgrenze fährt. Und falls es doch mal nötig sein sollte, hab ich eine kleine Reserve. Meine Miniray fahre ich normalerweise nur auf 50%. Die Verstärker immer voll aufzudrehen ist einfach nur eine Unsitte.
Mischpult hochfahren
Hier geht jeder Toni etwas anders an die Sache ran. Aber ich habe für mich festgestellt, dass mir das so gut gefällt und ich am wenigsten böse Überraschungen erlebe. Ich muss dazu sagen, dass es sich hier um das Master-Mischpult handelt und nicht um den DJ-Mixer.
Den Master-Fader fahre ich auf +/-0 dB(A). Das heißt kurz vor Vollgas. Bei einem einigermaßen professioneller Mischer ist das entsprechend beschriftet. Nun starte ich eine Quelle (DJ-Rechner oder notfalls einen MP3-Player) mit 0dB(A), sofern ich diese so genau einstellen kann. Den Gain des entsprechenden Kanal drehe ich so zurecht, dass auch hier die Anzeige auf 0dB(A) schwingt. Erst jetzt schiebe den entsprechenden Line-Fader langsam hoch bis ich Zimmerlautstärke erreiche. Die Boxen sollen sich erstmal warmschwingen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt um mal zu schauen (hören!) ob denn aus allen Lautsprechern ungefähr das rauskommt, was rauskommen soll. Eine angenehme und passende Hintergrundmusik wäre hier meine Empfehlung. Vielleicht richtet Ihr jetzt noch den einen oder anderen Lautsprecher etwas aus… Wenn alles läuft, ziehe ich den Line-Fader mal kurz hoch um zu checken ob auch bei „Laut“ alles passt.
Der Master-EQ
Jetzt stelle ich mir den Master-EQ auf Basis von ein paar Testtracks nach meinen Wünschen ein. Der Line-EQ der Tonquelle sollte dabei deaktiviert sein. Natürlich kann man hier auch ein „Rosa Rauschen / Pink Noise“ abspielen und unter Zuhilfenahme eines grafischen Analyzer schräg drehen. Ja – schräg drehen! „Rosa Rauschen“ fällt pro Oktave um 3dB ab. Somit sollte auch das Spektrum auf dem Analyzer nach oben abfallen. Als Analyzer kann man durchaus das IPad oder iPhone mit einer geeigneten App nutzen. Die App kennt die Charakteristik des Mikrofons im Gerät und bringt nutzbare Ergebnisse. Dies zählt ebenso für Lautstärkemessungen mit dem angebissenen Apfel. Mit den Geräten der androiden Konkurrenz habe ich noch keine Vergleichsmessungen durchgeführt und kann somit nichts zur Genauigkeit einzelner Geräte sagen. Man sollte nur auf ein sauberes Mikrofon am „Messgerät“ achten. Kein Analyser ersetzt aber ein geschultes Ohr. Also dreh Dir den EQ so, dass es sich für Dich gut anhört. Eine nur mit Messgeräten eingestellte PA klingt leider nicht schön bis erbärmlich. Leider schaffen es sogar angeblich professionelle Tontechniker auf Großveranstaltungen eine durch den Systemer perfekt eingestellte Anlage komplett zu vermurksen.
Wenn man immer mit der selben PA unterwegs ist, wird man für gewöhnlich auch immer den selben EQ einstellen. Daher muss man dieses Prozedere nicht jedes Mal so ausführlich zelebrieren und die Ohren des Veranstalters und/oder des Wirt strapazieren.
Mikrofon pegeln – die hohe Kunst
Die Mikrofone konfiguriere ich immer auf maximale sinnvolle Lautstärke um alle Gäste mit einer gut hörbaren Moderation versorgen zu können. Wenn unprofessionelle Sprecher zu erwarten sind, sollte das Mikrofon sogar auf einen theoretisch noch viel höher geschobenen Mikrofon-Fader konfiguriert werden. Es wird z.B. bei einer Hochzeit immer jemanden geben, der das Mikrofon trotz vorheriger kurzer Einweisung viel zu weit weg hält oder einfach nur eine piepsige Stimme hat.
Ich bin keine Mikrofon-Profi, aber eine Grundeinstellung sollte man mit der folgenden Kurzanleitung und etwas Übung sowie technischem Sachverstand hinbekommen.
Ich positioniere mich mit dem Mikrofon so, dass eine Rückkopplung erstmal unwahrscheinlich ist. Den Mikrofon-Fader drehe ich auch erstmal zu. Nun bespreche ich das Mikrofon in deutlicher Lautstärke und drehe den Gain soweit auf bis die erste und zweite Lampe über 0dB(A) am Mikrofon-Pegel flackert. Nun schiebe ich den Line-Fader langsam hoch. Im besten Fall ist es laut und deutlich und nix pfeift. Nun höre ich mir das ganze von vorn an (hier kommt die zweite Person oder das Tablet als unverzichtbares Accessoire ins Spiel) und drehe es mir nach meinen Wünschen schön. Als Mann (wegen der tieferen Stimme!!) setzt man sich jetzt einen LowCut bei ca. 120Hz. Um unnötiges bzw. unschönes Zischen in den S-Lauten zu vermeiden, ist es ratsam die Höhen mit Gefühl anzuheben. Da muss man probieren wie hoch man den setzen kann ohne etwas ernsthaft zu beschneiden. Den Rest dreht man sich erstmal so wie man mag. Wenn es hier schon pfeifen sollte, drehe ich den Mikrofon-Fader wieder etwas zurück.
Wie man Rückkopplungen durch das Mikrofon vermeidet, habe ich in einem separaten Beitrag recht detailliert beschrieben.
Nun setze ich noch ein Gate (um bei Stille die Hintergrundgeräuche zu unterbinden) und einen Kompressor um auch hier nochmal etwas zu puffern falls ein akustisches Missgeschick passiert. In beiden Fällen verzichte ich auf eine Erklärung und empfehle das alte Bastlerprinzip: Learning by Doing.
Wenn man immer die selben Mikrofone verwendet, wird man auch diese Prozedur nicht jedesmal im Detail wiederholen und stattdessen nur einen kurzen Testlauf machen um zu checken ob sich die bekannten Einstellungen für die neue Lokalität eignen.
Der fertige Mix
Die Lautstärke der Musik steuere ich nun ausschließlich durch den Line-Fader auf meinem Mastermixer. Da ich das/die Mikrofone im Tagesprogramm mit etwas abgesenkter Lautstärke fahren kann, habe ich noch etwas Spielraum für den Diskoabend bzw. für wirklich wichtige Durchsagen.
Zweite Zone
Wenn ich einen abgesetzten Bereich habe, in dem nur Hintergrundmusik laufen soll, kopple ich diesen Ausgang am Mixer „PreFader“ aus. Das heißt, ich arbeite mit einer Art zweitem Mixer im Mixer. Zumindest die Musik wird so separat gepegelt. Wenn ich nun die Musik für die Tanzfläche lauter mache indem ich den Line-Fader des Mastermixers nach oben schiebe, bleibt die Hintergrundlautstärke meiner zweiten Zone erhalten. Das Moderationsmikrofon sollte man allerdings PostFader fahren. Sonst könnte es im schlimmsten Fall passieren, dass ich mein Mikro im Mainfloor zu mache, es aber für die zweite Zone noch offen ist und die dort unerwünschte Konversationen auf den Lautsprechern hören. Das könnte peinlich werden.
Zu diesem Thema habe ich noch ein paar hilfreiche Tips unter Midas MR12 & MR18, Behringer XR12 & XR18 Delayline, 2. Zone, Laufzeitverzögerung – DIY (Bastel-) Anleitung – Der bessere Workaround. recht detailreich mit Bildern erläutert.
Lifehack I – über Nacht wird nur geschlummert
Falls es sich um eine Veranstaltung handelt, die über mehrere Tage geht und womöglich noch im Freien (Zelt zählt auch dazu) stattfindet, sollte man die gesamte Technik über Nacht mit abgedrehter PA eingeschaltet lassen. Das zählt auch für die Lichttechnik, insofern es sich nicht um konventionelle Lampen handelt.
Warum das ganze?
- NEVER TOUCH A RUNNING SYSTEM
- Über Nacht kann sich Tau bilden -> also Wasser!! Wenn die Technik läuft, produziert sie genug Wärme um diesen Niederschlag zu unterbinden.
Das bedeutet aber auch, dass der Strom über Nacht an bleiben muss. Stellt das beim Veranstalter sicher! …notfalls auch vertraglich.
Lifehack II – Delay-Line
Bei komplizierten Räumlichkeiten wie Turnhallen oder anderen Räumen mit reichlich akustischer Reflektionsfläche, lohnt es eine sogenannte Delay-Line aufzubauen – also ein ins Publikum versetztes Paar Lautsprecher mit einer akustischen Laufzeitverzögerung. So kann man mit etwas weniger Lautstärke fahren und hat etwas weniger unkontrollierte akustisch reflektierte Wellen. Mit sogenannten Linienstrahlern kann man da auch etwas zielgerichteter arbeiten. Da lohnen sich dann die modernen Säulen-PA’s. Auch ein Paar kleine Aktivboxen auf der Bühnenkante mit geringer Lautstärke, können hier Wunder bewirken.
Ich hoffe, Ihr konntet meinen Ausführungen folgen und habt zukünftig weniger Probleme beim Pegeln des Systems.
