Midas MR12 & MR18, Behringer XR12 & XR18 Delayline, 2. Zone, Laufzeitverzögerung – DIY (Bastel-) Anleitung – Der bessere Workaround.

Einleitung

Lange Zeit habe ich mich gegen einen Rackmixer mit Touchsteuerung gewährt. Allerdings musste ich irgendwann einsehen, dass so ein Teil recht schlank sein kann und mir den DJ-Alltag auf kleineren Veranstaltungen unheimlich erleichtern kann.

Resultat: Es wurde das Midas MR12 angeschafft. Besonders viele Kanäle braucht man als DJ einfach nicht. Die Wahl ist dennoch auf das Midas gefallen, da hier die besseren Preamps auf den ersten 4 Kanälen verbaut sind. Auf denen sollen dann meine Mikrofone angekoppelt werden. Ein X32 haben wir bereits. Das macht unseren Ansprüchen entsprechend, einen verdammt guten Job. Daher war uns bereits die App „Mixing Station“ bekannt. Diese ist bei der XR/MR-Reihe nicht ganz so unabdingbar wie beim X32, aber sie wird vom Programmierer deutlich besser gepflegt und mit Updates versorgt. Ausserdem habe ich meinem MixerCase noch einen externen WLan-Router gegönnt, da der interne AP-Mode auf keinen Fall zu empfehlen ist. Ein Absturz des Accesspoint während einer Veranstaltung, zu kurze WLan-Reichweite und eine völlig veraltete WEP-Verschlüsselung, welche mein IPad einfach ablehnt, haben die Entscheidung sehr leicht gemacht.

Edit: Erst nach der Erstellung dieses Beitrages, habe ich einen Workarround zu diesem Thema gefunden. Dieser funktioniert bei meinem MR12 nur bedingt und bietet mir deutlich weniger Komfort – besonders bei der Einstellung der Lautstärke für die Delayline. Ein echtes Stereosignal habe ich mit dieser Variante ebenfalls nicht rausbekommen.

Warum ich eine Delayline benötige (…Ihr kennt diese Frage aus Foren)

Nun zum eigentlichen Thema: Das MR12 (und auch die anderen Pulte dieser Reihe) haben nur 2 Masterausgänge. Eine Ausgangsmatrix wie beim X32 gibt es auch nicht. Im Fall des MR12 und XR12 stehen lediglich 2 zusätzliche AUX-Ausgänge zur Verfügung. Das MR18 und XR18 haben immerhin 6 AUX-Ausgänge. Ein Routing für Delay-Lautsprecher – Lautsprecher, die mit einem zeitlich versetztem Signal angefahren werden – ist nicht möglich. Oder vielleicht doch?

Einen abgesetzten Lautsprecher oder Monitor anzufahren ist grundsätzlich kein Problem. Dazu schicken wir unsere Kanäle einfach auf einen MIX-Bus. Diesen routen wir uns dann direkt auf einen AUX-Ausgang. Aber da lässt sich auf Biegen und Brechen kein Delay / Verzögerung / Laufzeitanpassung einfügen. Für abgesetzte Lautsprecher ohne akustische Kopplung ist das aber absolut in Ordnung.

Noch mehr Bla Bla Bla – Ja, Ja, geht gleich los.

Warum eine Laufzeitkorrektur? Wenn man nun einen großen Saal hat und nach 10 Metern aus akustischen Gründen nochmals Lautsprecher stellen möchte, benötigt man diese Laufzeitkorrektur. Also das Signal soll um die Zeit verzögert aus den Lautsprechern kommen, die der Schall der Haupt-PA bis zu dieser Lautsprecherlinie benötigt. Verstanden? Andersrum gesagt, wenn man diese Laufzeitkorrektur nicht einsetzt, hört man in Höhe der zweiten Lautsprecherreihe (und dahinter) zuerst das Signal dieser Lautsprecher und danach mit Verzögerung das Signal der Haupt-PA, da beide Signale zur gleichen Zeit ausgestrahlt werden, aber der Schall von der Haupt-PA bis zu den zweiten Lautsprechern etwas Zeit braucht – Erinnerung: Schallgeschwindigkeit! Sie beträgt 342m/s. In unserem Fall ist das eine zeitliche Verzögerung von 0,029s = 30ms. Klingt nicht viel – klingt aber am Ende sehr unklar, verhallt bis doppelt.

Und jetzt noch Mathe-Bla Bla?

Berechnung: t = 1 / 342 m/s * l, l ist die Strecke zwischen Haupt-PA und Delay-Line in Meter. Gemessen wird gerade in Richtung Publikum bis zur gedachten Linie der Delay-Lautsprecher, und NICHT schräg zu den Lautsprechern selbst! Das Ergebnis erhält man dann in Sekunden. Da wir Millisekunden benötigen, multiplizieren wir das Ergebnis mit 1000.

Endlich geht’s mal los.

Und nun endlich zum Trick mit der Laufzeitverzögerung auf dem MR12, MR18, XR12 und XR18. Die Pulte haben die Möglichkeit, 4 FX-Wege zu belegen. Und darin enthalten ist natürlich auch ein Delay. Dieses ist aber eigentlich eher als „Echo“ gedacht. Man kann aber die Delayzeit zur ersten „Wiederholung“ einstellen (bis 2000ms) und die weiteren Wiederholungen deaktivieren. Und genau dieses Signal wollen wir ja haben.

Meine Ausgangssituation ist wie folgt: Ich habe 4 Mikrofone, meinen Stereo-DJ-Kanal, einen Stereo Bluetooth-Kanal und zwei weitere Stereokanäle. In meiner Konfiguration möchte ich aber einen abgesetzten Lautsprecher vor dem Festzelt in 10m Entfernung. – Also in akustischer Reichweite der Haupt-PA. Dieser soll die Musik und die Moderation permanent in gleicher Lautstärke wiedergeben. Daher habe ich eine kleine Besonderheit eingestellt. Dazu später mehr. Die Musik kommt heute zur Abwechslung vom Bluetooth-Eingang, da er bei mir farblich gesondert markiert ist.

Vorgehensweise ist Folgende. Wir schicken alle gewünschten Kanäle auf einen FX-Weg. Ich habe den FX3 gewählt um auf den ersten beiden FX-Wegen andere Effekte zu nutzen. Den FX3 habe ich in Delay Zone 1 umbenannt.

Ich möchte, dass die Mikrofone im MAIN-Bereich geregelt werden. Sie dienen mir später als Referenzlautstärke. Moderationen sollen IMMER überall deutlich zu hören sein. Die Musikkanäle sollen im Aussenbereich immer in verträglicher Lautstärke laufen.

Um den „Angriffspunkt“ für unsere Delay-Zone festzulegen, tippen wir auf die Einstellung des ersten Kanal – in meinem Fall das erste Mikrofon.

Hier seht Ihr nun alle mehr oder weniger sinnvollen Einstellungen meines Mikrofon 1.

Auf beiden rot markierten Feldern geht es jetzt zum „Einhängepunkt“.

Beim Tippen auf das markierte Feld erscheint ein Auswahlmenü.

Wählt hier bitte POST-Fader aus. Warum? Der Einhängepunkt liegt NACH dem LineFader des Mikrofonkanal. Damit hat eine Anpassung der Lautstärke im Hauptmixer auch Einfluss auf die Delay-Zone. Diese Einstellung übernehmt Ihr im Falle einer regulären Delay-Line in einem Festsaal für ALLE Kanäle. Ich nehme es in meinem konkreten Fall nur für die Mikrofone.

Mit den beiden Pfeilen kann man sich von Kanal zu Kanal navigieren um die Einhängepunkte festzulegen.

Ich habe den Einhängepunkt für meinen Bluetoothkanal auf PRE-Fader gesetzt um die Lautstärke der Musik auf dem Delay von der Haupt-PA zu entkoppeln – kann man so machen – muss man aber nicht.

Jetzt kommt der spannende Teil: Wir gehen in den FX-Prozessor.

Den Prozessor kann man ändern indem man lange auf denProzessor tippt. …hab da auch ne Weile gesucht.

Hier wählt Ihr das 3 Tap Delay aus. Nur bei diesem Delay kann man bis 2000ms einstellen.

Hier könnt Ihr auch noch einen LoCut oder HiCut setzen. Das mach unter Umständen vielleicht sogar Sinn – je nach Lautsprecher. Ganz wichtig ist, dass das Feedback (die weiteren Wiederholungen) abgedreht sind. Mit dem TIME-Regler stellt Ihr nun tatsächlich Euer gewünschtes Delay ein. Die Einstellung geht leider nur im Raster von 12ms. Das sollte aber reichen.

Nun geht Ihr zurück. Alle anderen Einstellungen im FX-Weg lasst Ihr einfach in Ruhe.

Hier gehts zum Routing
Output – logisch…

Hier wählen wir natürlich das AUX-OUT-Routing. Ziel ist AUX1 – daher wählen wir den aus. Das Signal soll von unserem FX3 (L) kommen. Bitte wählt hier den richtigen aus. Weiter unten gibt es nochmal die FX-Kanäle. Die sind ohne Delay, da es die FX-Eingänge sind. Nun wählen wir noch PRE-Fader (ohne +M) aus. Das ist äusserst wichtig. Sonst müsst Ihr den FX-Out aufdrehen und das Delay kommt auch auf der Haupt-PA. Den FX3-Return könnt Ihr dann gleich muten um versehentliches Aktivieren zu vermeiden.

Jetzt müssen wir nur noch den FX-Send aufdrehen um das Signal in den FX3-Prozessor und dann direkt auf den AUX1 zu schicken. Das war schon alles.

Vorgehensweise zum Einpegeln. Die Anlage ist prinzipiell auf VA-Lautstärke eingestellt. Mein Main-Out ist IMMER auf 0dB – ich arbeite nur im Mixer. Nun stelle ich mein erstes Moderationsmikrofon auf die Haupt-PA ein. im FX-Mixer stelle ich die Mikros alle auf 0dB. Gut wäre, wenn das ein Funkmikrofon ist, da ich mich jetzt zum Delaylautsprecher begebe. Von hier aus stelle ich die Lautstärke ein indem ich den FX3 (IN)-Weg anpasse. (Der FX3 (OUT) bleibt zu!) Ziel ist, dass da alles sauber und deutlich zu verstehen ist ohne das Publikum bei jeder Moderation zu erschrecken. Nun passe ich die Musiklautstärke im FX-Mixer an. Wenn es sich nicht um eine 2. Zone, sondern um eine Delay-Line handelt, stelle ich im FX-Mixer alle Kanäle auf 0dB. …und aufpassen, dass der Einhängepunkt überall auf POST-Fader gestellt ist. Musik und Sprache sollten jetzt laufen.

Laufzeit einstellen. Im besten Fall, haben wir unsere Schritte zum Delay gezählt. „Abschreiten“ nennt sich das – deswegen heißt es Laufzeit. Genauer geht es mit einem Laserdistanzmesser. Nach der Formel: t = 1 / 342 * 1000 * Strecke die Laufzeit berechnen. Das Ergebnis liegt bereits in Millisekunden vor!!! – falls Ihr die * 1000 in meiner Formel bemerkt habt. Diese Zeit gebt Ihr jetzt im Effektprozessor 3 bei Time ein. Wenn Ihr noch am Delaylautsprecher stehen solltet, hört sich das ganze jetzt deutlich verständlicher an. Unter Umständen muss man da mit der Zeit ein wenig experimentieren, da räumliche Reflexionen das Ergebnis verfälschen könnten. Aber VORSICHT. Der Regler ist sehr sensibel.

Auf dem neu geschaffenem Delayline-Ausgang kann man auch einen separaten EQ einstellen. Den findet man in unserem konkreten Fall bei FX3-Return. Auch wenn der Fader unten ist, arbeitet der EQ. Dieser bearbeitet aber nur die Summe, die an den AUX geschickt wird, ähnlich des MasterEQ. Von dem leben wir am AUX aber völlig unabhängig.

Und jetzt nochmal Bla Bla..

Habt Ihr die kleinen Defizite dieser „Bastellösung“ entdeckt? Der Weg ist ein wenig umständlicher als mit einem Matrixbus des X32. Wenn man die Logik verstanden hat, ist es aber in 2 Minuten vorkonfiguriert. Danach hat man die Einstellung drin bzw. speichert sich das Preset. Der Ausgang ist leider Mono und ein Effektweg geht verloren. Mit ein paar Handgriffen mehr, sollte man das ganze sogar in Stereo zum laufen bekommen. Dabei muss aber darauf geachtet werden, dass man entsprechend den rechten Kanal in den Effektprozessor schickt. Ausserdem müssen dann beide AUX-Ausgänge exakt gleiche Pegel haben. Bei einer richtigen Delayline macht das unter Umständen Sinn. Wiederum (denk ich) kann man es bei dem Hauptaugenmerk auf der Sprachbeschallung, durchaus vernachlässigen.

Jetzt kommt noch was 🙂

In meinem Setup habe ich den FX3- und den FX4-Weg für derartige Zwecke konfiguriert, da die beiden Ausgänge multifunktionell einsetzbar geworden sind.

Und…!!!!

Mit dieser Grundkonfiguration ist es sogar möglich, sich ein Lautsprechermanagement zu sparen. Mit dem FX4-Weg, der meinen Mixer über den AUX2 verlässt, kann man mit tief geschobenem HiCut (am besten im FX4-Return-EQ) eine Bassendstufe anfahren. Die Anpassung steuert man mit dem FX4-Send-Regler. Die Tops beschneide ich dann, je nach Lautsprecherkonfiguration, bis 130Hz im EQ des Main-Out mit einem LoCut. Voraussetzung dafür ist die Einstellung POST-Fader im FX4-Mixer für jeden Kanal. Hier sollten auch alle Kanäle auf 0db gepegelt sein.

Natürlich ist so ein Minimixer kein professionelles Lautsprechermanagement. Ein Mischpult ist primär zum Mischen gedacht. Aber wenn der Platz im Auto knapp ist und man optimieren muss, ist dies eine schlanke Lösung.

Ich hoffe, Euch damit ein wenig weitergeholfen zu haben. Zumindest könnt Ihr den Kauf des Soundcraft UI24 oder des X32-Rack noch etwas vor Euch her schieben und das Geld in neue Mikrofone, Lampen oder Lautsprecher stecken.

Fertsch… Viel Spaß nun beim Probieren, Fluchen und Freuen.